STABAT MATER. KANTATEN-GOTTESDIENST Von Giovanni Batista Pergolesi (1710-1736)

Sonntag, 25.03.2018, 10:30 Uhr im Gottesdienst am Palmsonntag:

STABAT MATER. KANTATEN-GOTTESDIENST Von Giovanni Batista Pergolesi (1710-1736)

für Sopran, Alt, Streicher und Basso Continuo Es musizieren Mitglieder des Bielefelder Theaters
und der Bielefelder Philharmoniker

Christín Enke-Mollnar, Sopran
Annika Brönstrup, Alt
Ursula Esch, Violine
Rudolf Dworatzek, Violine
Nikolaus Vulpe, Viola
Annette Fuhrmann, Violoncello
Hagen Enke, Orgelpositiv
Ansprache: Pfarrer Armin Piepenbrink-Rademacher
Orgel: Hartmut Sturm

 

Wenn eine Mutter den Tod des eigenen Kindes beweinen muss, durchlebt sie vermutlich die schlimmsten Seelenschmerzen, die Menschen kennen. Diese besonders schwere seelische Verletzung trägt die Menschheit seit ihrem Bestehen im kollektiven Gedächtnis, denn durch Krankheit, Krieg und Unglücksfall kommen Mütter seit Menschengedenken in solche dramatischen Situationen. Die Schwere dieses außergewöhnlichen Traumas und seine relative Häufigkeit mildern einander nicht ab.

 

Im Unterschied zu den meisten christlichen Erzählungen vom Leben und Sterben Jesu konzentriert sich der Text des Stabat Mater auf das wenig offensichtliche, wenig geräuschvolle Innenleben der Gottesmutter Maria, die ihrem sterbenden Sohn zu Füßen kniet. Diese Sicht setzt an die Stelle nüchterner Information unsere Empathie und erschließt uns damit unmittelbar die Verbindung der Geschehnisse in Golgatha mit unserem eigenen Leben und mit der menschlichen Existenz.

 

Pergolesis Vertonung setzt an dieser Verbindung an. Zwischen inniger, tief empfundener Melodik und schroffer harmonischer Spannung gelingt dem Komponisten ein Klanggemälde von besonderer Intensität und Farbigkeit. Auf Larmoyanz und madrigaleske Stimmungsschilderungen verzichtet die Musik weitgehend. Langsamkeit, die in Entsetzen und hilfloser Verzweiflung geradezu stehengebliebene Zeit, und bittere, leblose Stille nach dem letzten Atemzug sind Ausdrucksmittel, die das Werk prägen. Während im ersten Teil der Kantate die ausweglose Situation der Mutter Maria beschrieben und mit unserer eigenen Situation in Beziehung gesetzt wird, sucht der zweite Teil nach Wegen in eine Zukunft, die nur in der radikalen Hinwendung zur Buße vorstellbar wird. Über den Gedanken der Buße endlich bricht ein Strahl der Hoffnung durch den Text in die Musik, der es uns erlaubt, über den Tag des Kreuzes hinaus gen Ostern zu schauen und an ein besseres Leben zu glauben.

 

Abweichend von der üblichen Praxis mit Orgelbegleitung erfolgt die Aufführung des Werkes in seiner instrumentalen Originalbesetzung mit Streichquartett und Basso continuo.